Kommentar: Die viel zu lange Pause zwischen den Kapiteln bitte ich zu entschuldigen! Ich versuche mich zu bessern ,-) Außerdem möchte ich mich dieses Mal ganz besonders bei meiner Beta Readerin bedanken und zugleich entschuldigen, denn Lelaina hat in diesem Kapitel besonders oft den Rotstift zürcken müssen. Auch hier gilt, dass ich mich versuche zu bessern! Danke, Lel!

Restliche Kommentare, Disclaimer usw. entnehmt ihr bitte dem ersten Teil. Viel Spaß



Kapitel 7


Geschockt von den Bildern des Albtraums fuhr Blair von der Couch hoch. Sein Herz pochte wild. Sekunden später begann er sich zu beruhigen, aber hatte immer noch Mühe, in seiner Panik seine Lungen mit genug Sauerstoff zu versorgen. Puh, es war nur ein Traum, dachte er beruhigt.

Doch plötzlich erkannte er einen Schatten, der sich über ihn und weiter hinauf über die Rückenlehne des Sofas legte. Es handelte sich dabei die Silhouette eines Menschen, die Konturen ließen keinen Zweifel übrig.

Vorsichtig blickte Blair zu der großen Fensterwand des Lofts, durch die fahles Mondlicht fiel. Nun wieder starr vor Angst bewegte er dabei nicht seinen Kopf, sondern versuchte nur mit Hilfe seiner Augen zu erkunden, ob seine Sicht ihm einen Streich spielte oder ob es sich tatsächlich um den Schatten eines Fremden handelte.

Als er klar einen Menschen neben sich sah, der direkt vor der Balkontür stand, setzte sein Herz zum Galopp an. Blair blinzelte ein paar Mal, aber die Figur blieb. Starr und stumm starrte der Eindringling ihn an. Blair lief ein kalter Schauer über den Rücken.

Seine Augen verfolgten die Konturen und er bemerkte an der Form, dass es sich um eine Frau handeln musste. Schließlich wandte er sich der Gestalt zu.

"Hey Blair, überrascht mich zu sehen?"

Blair erschreckte und überlegte angestrengt, woher er diese Stimme kannte.

Die Frau trat in einen etwas heller beleuchteten Teil der Wohnung und Blair riss die Augen weit auf, als er die junge, gutgebaute Frau, mit den langen, blonden Haaren und aussagekräftigen, blauen Augen erkannte: Alex Barnes!





12 Stunden zuvor

Alex löste sich aus dem langen und innigen Kuss mit ihrem Partner. Igor war ein naiver Mann, der alles für sie tat, so blind war er vor Liebe. Die schöne Sentinel lachte in sich hinein. Igor sollte nur einer von vielen sein, der ihre Talente zu spüren bekam, die denen einer Gottesanbeterin gleich kamen. Sobald sie ihn nicht mehr brauchen würde, würde er ein toter Mann sein.

"Die Unterlagen sind wunderbar, Süße", erklärte Igor mit funkelnden Augen.

"Das heißt, du kannst mir weiterhelfen?" Hoffnungsvoll starrte sie auf das Bett, neben dem sie beide standen. Darauf lag Jim, der mit mindestens einem Dutzend lederner Schnallen fest gehalten wurde. Aber es brauchte nur ein Blick in Jims reglose Augen und man erkannte, dass diese Vorkehrungen eigentlich unnötig waren: Der Sentinel war nicht in der Lage, ohne Hilfe aus dem Bett zu steigen, geschweige denn, das Haus zu verlassen.

Igor folgte Alex' Blick. "Ich weiß es nicht", flüsterte er schließlich.

Ihr Kopf fuhr hoch: "Wie meinst du das: ‚Du weißt es nicht'? Gerade sagtest du doch noch, dass die Unterlagen, die ich dir aus Ellisons und Sandburgs Loft geklaut habe,..."

Igor nickte und hob beschwichtigend eine Hand. "Ja ja, ich weiß. Aber so eine Dissertation ist wirklich viel Lesestoff, meine Liebe. Ich werde Tage, wenn nicht Wochen brauchen, um die komplexen Inhalte zu verstehen und nachvollziehen zu können. Habe ein wenig Geduld."

Die Sentinel wand sich aus den Armen ihres Geliebten. "Geduld! Geduld! Ich warte jetzt schon Monate, Igor! Monate! Und immer sagst du mir, ich soll mich gedulden. Ich habe genug von Geduld! Du bist nicht derjenige, der mit sensiblen Augen und Ohren zu kämpfen hat!"

"Süße", begann Igor in ruhigem Ton. "Wir sind schon nahe dran, siehst du das denn nicht? Du hast Recht. Du hast schon Monate gewartet. Die paar Tage wirst du doch jetzt auch noch warten können, oder?" Er seufzte, als er bemerkte, dass Alex' Temperament sich nicht gelegt hatte. Und mann, die Frau hatte ein Temperament!

"Es tut mir Leid, aber ich bin nicht Blair Sandburg. Sandburg hat diese Thematik jahrelang studiert, Alicia. Du wirst mir schon etwas Zeit eingestehen müssen." Endlich beruhigte sich Alex. Sie bei ihrem richtigen Vornamen zu nennen, hatte schon immer gewirkt.

"Und schau, was wir bisher dank Ellison für gute und schnelle Ergebnisse erreicht haben." Er zeigte auf Jim, der während der ganzen Konversation weiterhin auf einen imaginären Punkt an der weißen Decke über ihm starrte.

"Na schön", erwidert Alex schließlich mit leicht verzerrter Stimme. Igor schluckte, er kannte diese Tonlage.

"Du bist nicht Blair Sandburg, he?"

Igor hatte keine Ahnung, worauf sie hinaus wollte. Er nickte nur stumm.

Schließlich lief Alex um ihn herum und blieb hinter ihm stehen. Igor erstarrte vor Angst. Er wusste, wozu Alex in der Lage war, wenn sie sich in entsprechender Laune befand.

Er spürte ihren warmen Atem an seinem Ohr. "Du hast Recht, Liebling. Es tut mir Leid. Du bist nicht Blair Sandburg", flüsterte sie Igor ins Ohr. "Aber ich glaube, ich kann diesem Problem Abhilfe schaffen. Denn wenn ich etwas nicht kann, dann ist es, mich in Geduld zu üben."

Mit diesen Worten machte sie auf ihren hohen Absätzen kehrt und stolzierte ohne weitere Worte aus dem Raum.

Igor atmete langsam aus, nachdem er für Sekunden vor Anspannung die Luft angehalten hatte. Sein Blick wanderte zu dem reglosen Körper Jim Ellisons und er fragte sich, wie viele Personen Alex noch involvieren wollte, um ihre Sinne wieder vollständig unter Kontrolle zu bekommen...





Gegenwart, etwa 9 Uhr morgens

Ein elektrisches Summen war das erste Geräusch, das Blair ihn nach einer langen Ohnmacht begrüßte. Während Blair wacher wurde, hörte er noch einen regelmäßigen, leisen Piepton und fühlte sich sofort heimisch: Anscheinend lag er - mal wieder - in einem Krankenhaus.

Aber sein Bett erschien ihm ungewohnt hart und die Schmerzmittel wirkten offensichtlich auch nicht. Starke Kopfschmerzen hatten sich gleich in der ersten Sekunde nach seinem Erwachen in all seinen Gehirnwindungen breit gemacht.

Widerwillig öffnete er seine Augen und erwartete einen hellen, sterilen Raum, mit diesem typischen Geruch, der jedem Krankenhaus anhaftete.

Langsam konnte er etwas durch den Nebel erkennen, der seine Sicht wie einen Schleier umgab: Blair lag auf dem Holzboden eines kleinen Raumes, dessen Wände und Decke ebenfalls mit Holz bekleidet waren. Es gab keine Fenster und an den Wänden standen nur zwei leere Regale. An der Decke gab es eine schlichte Schirmlampe, die trübes Licht spendete.

Erst jetzt bemerkte er, dass er auf der rechten Seite lag, von wo er einen guten Blick auf die Tür hatte. Oder es hatte jemand, der zu der Tür hereinkam, gleich einen guten Blick auf ihn, je nachdem, wie man es auslegen mochte.

Langsam drehte er sich auf den Rücken und begann mit seiner noch immer leicht verschwommenen Sicht den Rest des Zimmers zu erkunden. Er lag neben einem Bett, wie es aussah, welches wiederum neben mehreren verschiedenen Maschinen stand. Von dort kamen also diese piepsenden Geräusche und das elektrische Summen.

War er aus dem Bett gefallen? Das hatte er noch nicht einmal in seiner Kindheit geschafft. Aber als Kind wurde er ja auch nicht von unberechenbaren Sentinels niedergeschlagen und entführt, wie er sarkastisch in Gedanken bemerkte.

Er inspizierte seine Arme, dann seine Beine und schließlich auch den Rest des Körpers. Aber nirgends fand er eine Kanüle oder eine andere Verbindung zu der Maschine, deren Geräusche unaufhörlich weiter in seinem Brummschädel schallten. Erst jetzt bemerkte er, dass das Piepsen in einem recht langsamen Rhythmus ertönte, ganz im Gegensatz zu seinem aufgeregten Gemüt. Sein Herz hörte er laut und rasant pochen.

Also wenn nicht er an der Maschine angeschlossen war - wer dann?

Vorsichtig rappelte er sich auf seine Knie und Hände. Und nach einem leisen Stöhnen stand er auf wackeligen Beinen. Der Raum drehte sich für einen Moment, aber hielt dann zu Blairs Erleichterung inne.

Schließlich sah er zu dem Bett hinüber und dachte, er hätte es erst mit einem Traum zu tun: An den Maschinen war kein anderer als sein Sentinel angeschlossen!

Hätte er nun eine Verbindung zu dem Gerät gehabt, sie hätte wild gepiepst. In nur wenigen Sekunden schossen tausend panische Fragen durch seinen Kopf: Was machte Jim hier? War er verletzt? Warum wurde er über eine Maschine versorgt? Und was war das für ein Mittel, das ihm darüber eingeflößt wurde? War es gefährlich für Jims Sinne? Wie lange war sein Sentinel schon hier?

Und wo waren sie überhaupt?

Vielleicht hätte ihm diese Fragen die Person beantworten können, die in der Zwischenzeit unbemerkt den Raum betreten hatte. Aber Blair war zu sehr in seinen Gedanken vertieft. Jim lag regungslos und ins Nichts starrend auf einem Bett, ihm wurde irgendeine unbekannte Substanz eingeflößt und er sah alles andere als gesund oder ansprechbar aus.

Dennoch versuchte Blair seinen alten Freund, den er schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte, wachzurütteln. Sein Freund, den er schon seit über einer Woche suchte und den viele bereits für tot erklärt hatten.

Sanft und vorsichtig rüttelte er an der Schulter. "Jim?", flüsterte er verängstigt. Aber nichts geschah. "Jim!" Nun schwang Panik in seiner Stimme und er schüttelte Jims Schulter etwas stärker.

War Jim in einem Zone? Wenn ja, wie lange mochte er schon in diesem Zustand sein? Schon die gesamte Woche? Die Konsequenzen wären unvorstellbar!

Das erste, was Blair in den Sinn kam, war die Kanülen zu Jims unnatürlich blassen und von Einstichlöchern übersäten Arm zu kappen. Er griff nach der ersten und war im Begriff, sie herauszuziehen, als er plötzlich von einer Stimme unterbrochen wurde: "Blair."

Erschrocken zuckte er zusammen. Er schloss seine Augen und wurde sich schlagartig über die Brisanz seiner Lage bewusst: Alex

Bevor er sich dem Feind zuwandte, zog Blair langsam eine Kanüle aus Jims Arm. Die andere Verbindung zu der Maschine schien nur die Werte des Sentinels zu kontrollieren, die ließ er dran. Alex bekam von alle dem nichts mit, denn Blair stand mit dem Rücken zu ihr und versperrte ihr so die Sicht.

Erst dann drehte er sich schließlich zu Alex um.

Sie grinste ihn an. Und zu Blairs Überraschung war es kein kaltes Lächeln, sondern ihre Miene wirkte freundlich. Ihre Augen funkelten.

"Was hast du mit ihm gemacht?", fauchte er Alex an. Die Wut und Fassungslosigkeit in ihm übermannte die Vernunft. Denn vernünftig wäre es gewesen, Alex nicht herauszufordern.

Wie damals, als sie ihn beinahe umgebracht hatte.

Ein Schauer lief Blair bei dem Gedanken daran über den Rücken. Und er starrte die Sentinel mit harter Miene an.

Alex begann zu schmunzeln. "Letztes Mal warst du mir freundlicher gesonnen." Sie schritt näher an Blair heran, der leicht zur Seite auswich und gleichzeitig versuchte, ihr die Sicht auf Jim zu versperren.

"Als du mich dem Tode geweiht in den Brunnen gestoßen hattest?", hakte Blair kalt nach.

Ihr Lächeln verschwand. "Nein." Sie seufzte schließlich und lief wieder ein paar Schritte von Blair weg. Offensichtlich hatte sie keine Angst, dass Blair sie überwältigen könnte. Er brauchte sich auch nichts vorzumachen: Die Sentinel war nicht nur flinker, durchtrainierter und hatte ihre Sinne zur Hilfe, sondern sie hatte im Gegensatz zu dem Anthropologen auch keine leichte Gehirnerschütterung.

"Ich wollte dich damals nicht umbringen", begann sie. Und es klang tatsächlich wie eine Entschuldigung. Doch wie sollte man einen Mord entschuldigen? Konnte man dies? Auch, wenn er nicht ganz geglückt war, war es doch etwas, dass niemand einfach mit Worten wieder gut machen konnte, oder?

Sie blickte in Blairs Gesicht und wusste, sie würde ihn nicht umstimmen können. "Ich kann es nicht wieder ungeschehen machen. Damals in Mexiko… Ich war zuerst erstaunt, dich lebendig zu sehen. Ja, ich glaubte sogar, du wärst eine weitere Vision. Und damals warst du das einzige, was zwischen Jim und mir stand."

Wie jetzt, dachte sich Blair und positionierte sich demonstrativ zwischen den beiden Sentinels.

"Aber jetzt… Jetzt habe ich verstanden, was du für Jim bedeutest."

Sie kam wieder näher auf ihn zu. Aber dieses Mal wich Blair nicht zurück.

"Ich weiß, dass DU für seine Sinne lebenswichtig bist, für seinen Geist. Für seine Seele."

Blair rührte sich nicht einen Zentimeter und blickte der etwas größeren Frau fest in die Augen. Wenn er nun Schwäche zeigen würde, hätte Alex bereits halb gewonnen.

"Ohne dich kann er nicht leben", flüsterte sie schließlich geheimnisvoll. Und für eine Millisekunde glaubte sie darauf in Blairs Gesicht ein Erstaunen zu erkennen. Dann wurden seine Gesichtszüge wieder emotionslos.

Nach ihrer letzten Begegnung - als sie Blair fast getötet hatte - hatte sie angenommen, er würde nun Angst haben. Oder würde zumindest Erfurcht zeigen. Aber nun stand er vor ihr und versuchte mit seiner kleineren Gestalt undurchdringlich - und unaufhaltsam zu wirken. Die Mimik und Gestik war klar: Wenn du an Jim heran möchtest, dann nur über meine Leiche.

Aber Alex hatte gar kein Interesse an dem anderen Sentinel. Nicht mehr. Früher, ja. Damals trachtete sie nach Jims Gesellschaft. Sie ließ sich von ihren Trieben führen - und diese hatten sie damals in die Hände ihrer Feinde und schließlich in eine psychiatrische Anstalt geführt.

Nein, jetzt hatte Alex ihr Augenmerk auf die einzige Person geworfen, die ihr noch helfen konnte, wieder ein halbwegs normales Leben zu führen - soweit dies für eine Sentinel möglich war.

Blair Sandburg war nicht nur Spezialist in Hinsicht auf Sentinels. Mittlerweile wusste sie, dass er mehr war. In seiner Dissertation hatte er kein Wort davon erwähnt, zumindest nicht offen. Erst wenn man ein wenig zwischen den Zeilen las, erkannte man, dass er für den Sentinel ein Führer war, ein Guide.

Und nun sollte Blair Alex' Guide werden.

Sie begann erneut zu schmunzeln und sah zu ihrem "Artgenossen" hinüber. Sofort versuchte Blair erneut ihre Sicht zu versperren, aber zu spät. Die Sentinel bemerkte, wie die Droge, die Jim lahm legen sollte, nicht mehr in seinen Unterarm gepumpt wurde, sondern an seinen Händen hinab auf den Laken floss.

Erbost schubste sie Blair beiseite und langte nach der Kanüle. Doch Blair war schneller als sie ihm zugetraut hatte. Und stärker. Er riss sie mit zu Boden. Sein Gewicht raubte ihr für eine Sekunde den Atem und er nutzte die Gelegenheit, sie mit geballter Faust zu schlagen.

Er war Pazifist und zudem gut erzogen. Frauen schlug er ungern, aber wenn es notwendig war, schreckte er nicht davor zurück. Und vor dieser Frau hatte er schon lange nicht mehr genug Respekt, um sie bei dieser Gelegenheit zu verschonen. Außerdem hatte er seinen Sentinel zu beschützen. Jims Leben stand auf dem Spiel. Und es lag an ihm, seinen Freund dort rauszuholen.

Wo auch immer "dort" war.

Der Kinnhaken setzte Alex nur kurz außer Gefecht, sie war etwas benommen, aber wehrte sich beständig.

Plötzlich spürte Blair das kalte Metall eines Pistolenlaufs an seiner Schläfe und hörte in der nächsten Sekunde das unverwechselbare Geräusch einer Waffe, die entsichert wurde.

"Hör sofort auf, Kleiner, oder ich schieße!", ertönte bedrohlich eine tiefe Männerstimme. "Geh von ihr runter!"

Blair hielt inne und musste sich geschlagen geben - vorerst. Er hielt seine Arme hoch und stieg langsam von Alex herunter.

Bevor er richtig stand, fuhr Alex wie eine Furie hoch und holte zu einem Schlag aus, der ihn eiskalt erwischte. Die Wucht schleuderte ihn gegen etwas Hartes und dieser zweite Schlag ließ ihn in tiefe Dunkelheit versinken.


Fortsetzung folgt


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